Neue Schwerpunktsetzung der Praxis

Nicht nur Covid hat unser Land verändert – im Lauf der mittlerweile mehr als 8 Jahre ihrer Existenz hat die Praxis Märzstraße ihr Profil ebenso ein wenig modifiziert: wir organisieren keine Gruppen mehr, betreuen allerdings selbstorganisierte, die an uns herantreten. Kulturveranstaltungen, philosophie-historische Arbeitsgruppen und Wanderungen bieten wir nicht mehr an.

Der Schwerpunkt liegt bei philosophischen Konsultationen, Ausbildung von zukünftigen Kolleginnen und bei der Projektbegleitung. Was die letzten beiden Punkte betrifft, haben wir die Ausbildung in Gruppen gestrichen und bilden nur mehr einzelne Kandidat/innen aus – das ermöglicht ein individuelles Betreuen anstelle des „alle über einen Kamm Scherens“,  das bei Gruppenausbildung zwangsläufig eintritt. Unserer Erfahrung nach, ist Einzelausbildung effizienter, kürzer und damit auch billiger. Was die Projektbetreuung betrifft, haben wir die angenehme Erfahrung gemacht, dass wir auch von Institutionen und Firmen beigezogen werden.

Der Schwerpunkt liegt noch immer in philosophischen Gesprächen, die eine Problemlösung oder eine Veränderung einer festgefahrenen Situation intendieren. Die Zahl der Menschen, die die Praxis konsultiert haben, ist mittlerweile dreistellig – und von diesen Besuchen profitiert auch der Praktiker und lernt Neues. Über die Techniken, die ich in diesen Konsultationen entwickelt habe,  berichte ich in meinem neuen Buch, „Philosophie hilft! Alltag und Theorie zwischen Sokrates und Freud in der Philosophischen Praxis Märzstraße“, erschienen in Vito von Eichborns Edition vitolibro.

Zielgruppen von „Philosophie hilft!“

Das Buch ist an drei Zielgruppen adressiert: Zunächst an jene auch unter Intellektuellen gar nicht so geringe Gruppe, die nicht weiß, dass die Philosophie von Anfang praktisch war – also auf das „gute Leben“ zielte. Erst durch die wissenschaftliche Ausdifferenzierung unserer Weltsicht und die penetrante Angewohnheit eines Teils der akademischen Philosophie, nur mehr Sekundär – und Tertiärinterpretationen des Kanons zu produzieren, ist das Bild vom weltfremden Philosophen entstanden. Sokrates praktizierte am Markt, er war ein Kriegsheld und hat – selbst in der Verfremdung durch Platon – durchaus praktische Ratschläge gegeben. Und die Gruppe, die uns praktische Fähigkeiten abspricht, hat eine Pendant auf der Gegenseite – diejenigen, die uns ein neoliberales Projekt zur Selbstperfektionierung unter dem Motto „rent a philosopher“ unterstellen.   

Die zweite Zielgruppe sind jene aufgeschlossenen Menschen, die einen Konflikt in sich spüren, eine Situation ändern wollen oder gar ihr Leben unter kundiger Anleitung neu gestalten wollen. Manche/r fragt sich dann: Wäre die Konsultation einer Philosophischen Praxis nicht etwas für mich? Die mit dieser Frage verbundenen Unklarheiten versucht das Buch an Hand zahlreicher Fallbeispiele zu beseitigen, es bietet vor allem eine präzise Abgrenzung zur Psychotherapie, zum Coaching, der Mediation und der Lebensberatung .

Die dritte Zielgruppe sind die engeren Fachkollegen, denen ich ein Verfahren vorstellen möchte, das auf einer speziellen Fragetechnik, der dynamisierenden Wirkung des Widerspruchs und dem Eingriff in das Selbstbild der Klient/innen basiert. An sie wendet sich auch der Versuch, die Frage, „Was hat das eigentlich mit Philosophie zu tun?“, zu beantworten. Die Überlegungen  basieren auf den Erfahrungen aus 8 Jahren philosophischer Praxis und dem Differenzerlebnis zu einer jahrzehntelangen Tätigkeit als akademischer Philosoph.

Direktbezug des Buchs von der Praxis

Die Diskussionen um das Buch, dass es zwar in zahlreiche deutsche Fachbibliotheken, aber nicht in die des Wiener Philosophischen Instituts (Stand 10.11.) geschafft hat,  haben uns veranlasst, ein Arrangement mit dem Verlag zu treffen: das Buch kostet im Handel € 18,50, bei direkter Bestellung bei der Praxis bieten wir es um € 10 plus Zustellung an. Bei Interesse senden Sie uns bitte eine Mail mit der Zustelladresse.